Epilog: Zur Abschaffung des amtlichen Geschlechtseintrags

Während unserer Arbeit am Forderungspapier und auch nach dessen Fertigstellung am 01. Juni 2012 wurden und werden Aspekte des deutschen Personenstandsrechts und Fragen zu geschlechtlicher Zuordnung bzw. Selbstbestimmung vielerorts verstärkt diskutiert. An dieser Stelle sei auf die Stellungnahme des Ethikrates zur Intersexualität vom 23. Februar 2012 sowie auf die Anhörung im Familienausschuss des Deutschen Bundestages zur Intersexualität vom 25. Juni 2012 verwiesen. Zurzeit erörterte Möglichkeiten reichen hierbei von der Schaffung eines Personenstandes „anderes“ über die Möglichkeit den Geschlechtseintrag offen zu lassen bis hin zur Hinterfragung des Geschlechtseintrags im Personenstandsregister überhaupt.

Wir begrüßen Optionen, die es ermöglichen, aus unterschiedlichen Gründen auf eine Kategorisierung von Geschlecht innerhalb eines binären Schemas oder überhaupt auf eine Geschlechtsangabe zu verzichten. Die vor allem von einigen Inter*-Gruppen vorgetragene Kritik an erneuten Geschlechtsfestschreibungen und Sonderregelungen findet unsere volle Zustimmung. Vor allem unterstützen wir den Vorstoß, generell normative Regelungen in Bezug auf Geschlecht abzubauen.

Ungeachtet jetziger und künftiger Regelungen zum Geschlechtseintrag solidarisieren wir uns ausdrücklich mit der vorrangigen und wichtigen Forderung von Intersex-Aktivist_innen: Operationen an Geschlechtsmerkmalen, für die es keine aktuell vorhandene gesundheitliche Notwendigkeit gibt, sollen gesetzlich verboten werden, soweit keine freie und höchstpersönliche Willensbekundung der mündigen und umfassend aufgeklärten betreffenden Person hierfür vorliegt. Diese Forderung deckt sich (nach unserer Einschätzung) inhaltlich weitgehend mit den Forderungen der Intersexuellen Menschen e.V., der Internationalen Vereinigung Intergeschlechtlicher Menschen und von Zwischengeschlecht.org.

Arbeitskreis TSG-Reform, im September 2012